Grün
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by Jottfauwe
This is a Chapter of the Story Himmelgrün. This is the first Chapter.Ich sah mich um.
Der Boden unter meinen durchnässten Stiefeln war von einem tiefen dunkelbraun und übersäht mit halb verrotteten Blättern. Hier und da durchzog ein Rinnsal aus Schmelzwasser wie ein winziges Flüsschen den Untergrund, in der Ferne hörte ich leise das Gluckern des Bachs, doch die Bäume standen mittlerweile so eng beieinander, dass sie mir den Blick auf alles versperrten, das sich weiter als zwanzig Meter von mir entfernt befand.
Mit einer nachlässigen Handbewegung strich ich mir die Haare aus den Augen und richtete meinen Blick nach oben. Zerschnitten von den unzähligen Ästen schien der Himmel blassgrün sein fleckiges Licht auf meine Schultern und den Boden um mich herum. Ich konnte nicht ausmachen, wie hoch die Sonne mittlerweile stand, aber ich wurde langsam hungrig. Vermutlich ist es so um die Mittagszeit?, überlegte ich und versuchte (vollkommen erfolglos) abzuschätzen, wie lange ich noch brauchen würde um den Wald zu durchqueren.
Noch eine Nacht im Wald würde ich nicht überstehen. Für die eisigen Temperaturen war meine Kleidung nicht gemacht und meine Vorräte waren aufgebraucht.
Vermutlich wäre es einfach am klügsten, den Geräuschen des Flusslaufs zu folgen und zu hoffen, dass ich flussabwärts aus dem Wald heraus- und vielleicht eine kleine Siedlung finden würde. Mit etwas Glück würde mich dort jemand die Nacht über in einem Stall schlafen lassen bis sich eine gelbe Sonne aus der tannengrünen Nacht erheben würde. Eigentlich hätte ich keine Lust darauf, nochmal gegen eine Übernachtung Ziegen zu melken, aber ohne Gold in den Taschen waren meine anderen Optionen sehr eingeschränkt. Allerdings, überlegte ich weiter, könnte der Marsch am Bach entlang auch noch mehrere Stunden dauern und ich wollte nicht riskieren, in der Dunkelheit im Wald herumzuirren. Immerhin würde ich mich bei diesem eiskalten Wetter nicht mit Mücken oder anderen Insekten herumschlagen müssen.
Wehmütig warf ich einen Blick zurück.
Ich seufzte tief, schlug den Kragen meines Mantels hoch und ging los. Wie eine Mahnung schlug mir das Kurzschwert, das Kalo mir mitgegeben hatte, bei jedem Schritt gegen den Oberschenkel.
Ich erinnerte mich, gerade und aufrecht zu gehen. Nein, ich bin ganz sicher allein, dachte ich. Doch mein Blick war wachsamer als sonst und obwohl ich mich bemühte, mich nicht umzusehen, konnte ich dem letzten Blick über meine Schulter nicht widerstehen.