Ich bewege mich in Richtung Bach.
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by Jottfauwe
This is a Chapter of the Story Himmelgrün. Go back to the previous ChapterSchnell fand ich ein Tempo, das ich so vermutlich noch eine ganze Weile durchhalten würde.
Mit Nachdruck setze ich einen Fuß vor den anderen, blieb zwischendurch kurz stehen um dem Bach zu lauschen und sichergehen zu können, dass ich auch die richtige Richtung anpeilte.
Schon nach kurzer Zeit stand ich am Wasser. Es gluckerte fröhlich vor sich hin und ich seufzte erleichtert. Ich ließ eines der am Ufer liegenden Blätter auf die Wasseroberfläche fallen und beobachtete, wie es langsam flussabwärts tanzte, bis es sich in einer kleinen Ansammlung von Felsbrocken verfing.
Mit schnellen Schritten folgte ich nun dem Bach, immer begleitet vom Geräusch des Wassers und der Sicherheit, dass ich bis zum Abend eine Bleibe finden würde.
Die Landschaft um mich herum veränderte sich immer wieder.
Die dichten Laubbäume wechselten sich mit hoch gewachsenen Tannen ab, sodass ich freien Blick auf einen strahlend grünen Himmel hatte. Ein paar Regenkrähen zogen ihre Kreise über den Wipfeln der Bäume, aber ich trug meinen Filzmantel. Besonders warm war der nicht, die Kälte der dunkelgrünen Nacht konnte er nicht abhalten, aber gegen einen Regenschauer war ich damit gut gewappnet.
Langsam versank ich in Gedanken. Immer wieder sah ich das Gesicht von Leira vor meinem inneren Auge. Ihre blonden Haare zusammengebunden, ihre blauen Augen voller Trauer, ihre kleinen Hände, die nach mir greifen wollten, während mich die Männer Kalos von ihr fortzogen. Es hatte mir das Herz gebrochen, sie so zu sehen. Ich werde zurückkommen, hatte ich mir in diesem Moment geschworen. Das Lager Kalos würde nicht meine letzte Station sein. Und genau so war es gekommen.
Vorgestern Nacht hatte ich mich weggeschlichen, nur mit etwas Proviant und dem Schwert, ein Geschenk an die treue Dienerin, die ich nicht wirklich war, bepackt. Doch mein Dorf war leer gewesen, als ich es erreicht hatte - vermutlich geplündert - und Leira war fort. Nie hatte ich jemanden so sehr vermisst wie meine kleine Schwester. Aber ich würde sie wiedersehen. Schon bald.
Ich atmete tief durch und strich nachlässig den Schmutz von den Kleidern, die ich trug.
Absichtlich hatte ich mich an den Gewändern des Dienstboten Toffa bedient. Als Mädchen fiel man auf und aufzufallen konnte ich mir definitiv nicht leisten. Mit dem dunkelbraunen Umhang und den moosgrünen Unterkleidern ging ich als Bote durch.
Ich richtete den Blick wieder nach vorne.
Deshalb fiel mir das Pferd, das einige fünfzig Meter entfernt von mir stand, auch sofort auf.
Ein Pferd? Damit wäre ich sicherlich sehr viel schneller. Es war voll aufgezäumt, trug eine dunkelgrüne Decke unter dem Sattel. Das Pferd eines Bauern? Ich wunderte mich. Sein Besitzer musste sicher in der Nähe sein.
Vorsichtig ging ich die letzten Schritte auf das Tier zu, bedacht, es nicht zu erschrecken. Und tatsächlich: Im Geäst einer der näheren Bäume hing ein Mann. Mit einem Strick an den Knöcheln aufgehangen, baumelte er kopfüber von einem starken Ast. Blut tropfte von seiner durchtrennten Kehle auf den Waldboden und sammelte sich in einer Pfütze.
In der Ferne konnte ich leise Stimmen vernehmen.
Was sollte ich tun?